In der agilen Community ist eine typische Frage “Macht Ihr …?“, die auf den Einsatz bestimmter Methoden zielt. Die Annahme dahinter ist, dass die Anwendung agiler Methoden ein Beweis für Agilität ist. In seinem Vortrag “Agil – Eine Frage der Einstellung” auf dem Agile Tuesday im Februar 2012 hat Dr. Sven Tiffe von Google überzeugend dargestellt, dass man auch ohne Einsatz von Methoden und Tools agil sein kann. Die Dilts-Pyramide kann uns den Unterschied zwischen agil sein und agil machen zeigen.

Dilts-Pyramide_agil_sein-vs-machenDer Standardansatz um Agilität einzuführen, ist die Einführung agiler Methoden und Tools. (Und da wir in postmodernen Zeiten leben, darf das Tool gerne ein webbasiertes Onlinetool sein.) Diese Methoden und Tools werden ein Teil der Umwelt/des Kontextes und erfordern so ein bestimmtes Verhalten. Damit muss sich das Verhalten entsprechend anpassen. Um die Methoden richtig anzuwenden, werden oft auch Fähigkeiten trainiert. Die Methoden und Tools sprechen damit direkt die Ebenen Verhalten und Fähigkeiten an.

Nun sind die Ebenen Werte, Identität und Sinn noch im alten Zustand und passen daher nicht zum neuen Verhalten. Damit unterstützen und stabilisieren sie die Verhaltensänderung nicht. Somit kann die Verhaltensänderung nicht dauerhaft sein. Und genau das erleben wir: Nach der Einführung von Methoden und Tools verläuft sich die Änderung und bestenfalls wird irgendwann ein Mischzustand “alt + neu” erreicht. Da die Leistungsfähigkeit wie vor der Änderung, vielleicht etwas besser, ist, wird dies nicht zum Problem. Damit ist das Thema Agilität aber auch verbrannt, weil es “nichts Wesentliches bringt“. Es gibt eine Aussage von Jeff Sutherland (einer der “Erfinder” der agilen Methode Scrum), dass nur 15% der Scrum-Implementationen eine echte Leistungssteigerung erreichen (bis  zu 400%), die das Ziel sein sollten. Die meisten Implementationen blieben unter ihren Möglichkeiten.

Agil sein erfordert also mehr als nur agile Methoden und Tools. Es erfordert eine andere Herangehensweise bei der Einführung, die größere Veränderungen mit sich bringt. Es lohnt sich aber!

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