Ein interessantes Interview mit Thomas Sattelberger (ehem. Personalvorstand bei der Deutschen Telekom) zur Zukunft der Arbeit.

Die für mich wichtigsten Stellen, die ich einfach mal unkommentiert so stehen lasse:

Sattelberger: Unterschätzen Sie die Kräfte nicht, die der Wertewandel, die technologischen Umbrüche und die Talentlücke entfalten. Sie stellen das traditionelle Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Bild auf den Kopf. In der Welt der Massenproduktion war der Mensch ein Rädchen im Getriebe, in der Welt der Wissens- und Kreativökonomie wird der Einzelne zum Arbeitgeber. Er gibt seine Fähigkeit und Motivation. Und Unternehmen und Mitarbeiter werden sich auf Augenhöhe begegnen. Mindestens!

Sattelberger: … Bis 2030 werden fünf Millionen Fachkräfte fehlen. Und das sind nicht nur Akademiker, sondern vor allem Meister, Techniker, Facharbeiter und Handwerker. Diese Lücke schließen Sie nicht mit Zuwanderung. Wir haben noch nicht verstanden, in welcher Geschwindigkeit und Dramatik sich der demografische Wandel abspielt. Die Diskussion um die entrückten Eliten da oben und die armen Schweine da unten wird obsolet.

Sattelberger: Neben der wachsenden Demokratisierung sehe ich vier Entwicklungen, die Unternehmen vollziehen müssen: mehr Diversität, mehr Autonomie, mehr Solidarität, mehr Sinn. … Erstens: Unternehmen müssen vielfältiger werden, nicht nur im Hinblick auf Alter, Geschlecht und die ethnische Herkunft ihrer Mitarbeiter, sondern auch bei den Führungsstilen und den Problemlösungsmustern. Nur so können sie die wachsende Vielfalt der Welt da draußen, aber auch drinnen, abbilden. Zweitens: Unternehmen müssen Freiräume schaffen, in denen die Mitarbeiter selbst über ihre Arbeit bestimmen können. Der Dirigismus, bei dem Zielfestlegungen generalstabsmäßig von oben nach unten kaskadiert werden, hat ausgedient. Drittens: Unternehmen müssen solidarischer werden … Solidarität bedeutet etwa, dass die riesige Kluft zwischen den Gehältern eines Bandarbeiters und eines Vorstands verringert wird. Künftig werden Firmen die Vergütung ihrer Spitzenmanager begrenzen. Und schließlich viertens: Unternehmen, die erfolgreich sein wollen, müssen Arbeit bieten, die Sinn stiftet. Der Mitarbeiter ist heute nicht nur ein Rollenträger, er möchte mit seiner Persönlichkeit zunehmend seine Arbeitswelt prägen. Das bedeutet auch eine Abkehr von Elitenförderung.

Sattelberger: Tiefgreifende Veränderungen benötigen Jahrzehnte. Es dürfte bis 2030 dauern, bis der Wandel vollzogen ist. Aber immerhin ist das Thema in der gesellschaftlichen Debatte angekommen.

Sattelberger: … Die Firmen merken zwar, dass sich die gesellschaftlichen Ströme verändern, aber sie nehmen das nicht wirklich ernst. Sie haben gerade genügend Leuchtturmprojekte, um sagen zu können: Wir tun ja was. Es liegt leider in der menschlichen Natur, sich meist erst dann zu ändern, wenn es unausweichlich geworden ist.

Schreibe einen Kommentar