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Warum heute alles anders ist (1/2)

Seit Anbeginn der Menschheit machten die Menschen sich das Leben einfacher. Sie wurden sesshaft, domestizierten Tiere, erfanden Werkzeuge, organisierten sich in Arbeitsteilung und schufen unvorstellbaren Reichtum.

Wie kam es dazu?

Im folgenden wird die Veränderung der menschlichen (Arbeits-)Tätigkeiten in drei Epochen der Menschheit dargestellt:

  • Die Neolithische Revolution von 12.000 bis 2.000 v. Chr
  • Die Frühe Neuzeit im 15. und 16. Jh.
  • Die Industriellen Revolutionen
    • Die I. Industrielle Revolution von 1770 bis 1880
    • Die II. Industrielle Revolution von 1890 bis 1925
    • Die III. Industrielle Revolution von 1950 bis 2010
    • Die IV. Industrielle Revolution seit 2010

Anhand des in Abbildung 1 gezeigten Diagramms wird die Veränderung über der Zeit dargestellt. Dabei sind auf der y-Achse die Stufen des Cynefin-Modells und auf der x-Achse die die jeweiligen Zeitabschnitte in der Geschichte der Menschheit dargestellt.

Ausgangspunkt für diese Darstellung ist die Grafik „Taylorwanne“ auf Seite 20 im Buch „Denkwerkzeuge der Höchstleister. Warum dynamikrobuste Unternehmen Marktdruck erzeugen“ [Woh12].

Abbildung 1: Diagramm zur Darstellung der Veränderung der Komplexität über die Zeit
Abbildung 1: Diagramm zur Darstellung der Veränderung der Komplexität über die Zeit

 

Die Neolithische Revolution (12.000 v.Chr. – 2.000 v.Chr.)

Vor ca. 15000 Jahren waren die Menschen als Jägern und Sammler [WikiH] auf das angewiesen, was die Natur an Ernährung und Schutz her gab. Die Lebenserwartung war niedrig, die Menschen waren oft schutzlos den Angriffen wilder Tiere und fremder Horden ausgeliefert. Das Überleben war ein komplexer Vorgang, und manchmal, wenn die Menschen Naturgewalten schutzlos ausgeliefert waren, sogar chaotisch.

Von ca. 12000 – 1000 v. Chr. [WikiA, WikiB] wurden weltweit Jäger und Sammler zu Ackerbauern und Viehzüchter. Diese Periode in der Menschheit wird als Neolithische Revolution [WikiG] bezeichnet. Die Menschen wurden sesshaft und legten Behausungen zum Schutz gegen die meisten Naturgewalten an. So entstanden Siedlungen, aus denen sich später Dörfer und Städte entwickelten. Die Menschen domestizierten Tiere und Pflanzen und legten Vorräte für eine planbare Ernährung an. Damit legten sie die Grundlagen für die Entwicklung erster Hochkulturen.

Mit dieser Entwicklung ging gleichzeitig die Komplexität des Lebens zurück: Durch den Schutz der Siedlung und Vorratshaltung wurde das Überleben einfacher.

Abbildung 2: Übergang von chaotisch zu komplex durch die Neolithische Revolution
Abbildung 2: Übergang von chaotisch zu komplex durch die Neolithische Revolution

Abbildung 2 zeigt die Vereinfachung des Lebens durch die Neolithische Revolution.

Seit dieser Zeit sinkt die Komplexität durch Arbeitsteilung, vorher musste jeder alles können und machen. Nun kann man sich auf ein Gebiet spezialisieren und sich darauf verlassen, dass man nicht verhungert, weil die anderen a) seine Leistung nachfragen und b) ihren Teil zur Arbeitsteilung beitragen.

Die Gegenseite der Arbeitsteilung ist Vertrauen: Man muss sich darauf verlassen können, dass die Anderen ihre Leistung erbringen. Nur dann funktioniert Arbeitsteilung – wenn jeder seinen Teil erfüllt und sich darauf verlassen kann, dass es der Andere auch tut.

Seit den Anfängen der Menschheit sind Arbeitsteilung und die damit verbundene Spezialisierung die Mittel zur Erschaffung von Überlebensmöglichkeiten und Reichtum. Verbunden ist damit immer das Vertrauen in den Anderen, darauf, er seinen Beitrag leistet. Wo dieses Vertrauen nicht gegeben war, mussten Zwangsmittel eingesetzt werden, wie Sklaverei, Leibeigenschaft und Frondienste.

Die Frühe Neuzeit (15. – 16. Jh.)

Im Mittelalter bildeten sich grundlegende Handwerksberufe heraus. Mit Beginn der Neuzeit Ende des 15. Jahrhunderts [WikiI] differenzierten sich die verschiedenen Handwerke stärker aus. Musste z.B. ein Bergmann um 1400 sein Werkzeug, seine Kleidung und seine Schuhe noch selbst herstellen, übernahmen dies später spezielle Berufe: Werkzeugmacher, Schneider, Schuster. Durch diese Arbeitsteilung und Spezialisierung sank die Komplexität der Tätigkeit des früheren „Bergmanns“, gleichzeitig entstanden bessere Produkte bei höherer Produktivität.

Zusätzlich sank die Komplexität in den einzelnen Berufen durch weitere Arbeitsteilung und Spezialisierung: Führte z.B. der Schuster anfangs alle Tätigkeiten in der Schuhherstellung selbst aus, stellte er später Gesellen ein, die jeweils einen Teil der Tätigkeiten übernahmen und sich auf diese spezialisierten, was zu einer höheren Produktivität und Qualität führte. Gleichzeitig nahm die Komplexität ab, die Arbeit war nun nur noch kompliziert. Der Meister gab vor, was zu machen war, die Ausführung blieb dem Gesellen überlassen.

Abbildung 3: Die Komplexität sinkt zu Beginn der Neuzeit durch Arbeitsteilung
Abbildung 3: Die Komplexität sinkt zu Beginn der Neuzeit durch Arbeitsteilung


Abbildung 3 zeigt die Vereinfachung der Arbeitstätigkeiten durch Zunahme der Arbeitsteilung zu Beginn der Neuzeit (15. und 16. Jh.).

Weiterhin entstanden die ersten Manufakturen[WikiC]: Hier schlossen sich entweder verschiedene Handwerke zu einem Arbeitshaus zusammen, um gemeinsam ein Produkt herzustellen (z.B. Tischler, Sattler und Schlosser für die Herstellung von Kutschen). Oder ein Handwerk wurde in Teiltätigkeiten zergliedert und diese hochspezialisiert ausgeführt (z.B. Spinner und Weber zur Tuchherstellung).

Durch die Herausbildung von Staaten mit der damit verbundenen Entwicklung von Gesetzen vereinfachte sich das Leben weiter, da nun definierte Regeln (für alle) galten und der Willkür der Herrschenden ein Ende gesetzt war.

(zweiter Teil folgt)

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