Buch Kapitel 12: Lean Startup (2/2)

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Lean Startup (2/2)

 

Die drei Schlüsselprinzipien der Lean Startup-Methode

Steve Blank nennt als die drei Schlüsselprinzipien der Lean Startup-Methode [Bla13]:

  • Ausgangspunkt sind immer Hypothesen: Die Entrepreneure akzeptieren, dass sie zunächst nur eine Reihe ungetesteter Hypothesen haben, die auf Vermutungen basieren. Diese Hypothesen werden in einem Business Model Canvas (s.o.) zusammengefasst.

  • Get out of the building!“: Die Entrepreneure müssen „das Gebäude verlassen“, um echte potentielle Nutzer, Kunden und Partner zu treffen und mit ihnen die Hypothesen des Business Modells zu überprüfen. Mit den Antworten kommen sie zurück, überarbeiten ihre Hypothesen und gehen anschließend wieder raus, um erneut Feedback einzuholen. Dieser Kreislauf (s.o. Lean Startup Cycle) wird so lange durchlaufen, bis alle Annahmen validiert sind und das Geschäftsmodell mit jedem beliebigen Kunden aus der Zielgruppe funktioniert. Danach muss es nur noch skaliert, „in die Breite gebracht“ werden.

  • iterative und inkrementelle Entwicklung des Produktes: Um Verschwendung von Zeit und Geld zu vermeiden – dies ist der Bezug zur Lean-Philosophie – wird im Gegensatz zur herkömmlichen Vorgehensweise das Produkt iterativ und inkrementell entwickelt. Es wird mit minimalem Aufwand jeweils nur das entwickelt, was gebraucht wird, um die jeweiligen Hypothesen zu testen (s.o. Lean Startup Cycle). Diese Zwischenstufen des Produktes werden das Minimal Viable Product (MVP) genannt, ein Produkt, dass – neben den Realisierungen für die neu zu testenden Hypothesen – die Realisierungen der bereits bestätigten Hypothesen sammelt. Wenn alle Hypothesen validiert sind, enthält das MVP alle notwendigen Produktfunktionen.

Lean Startup lässt sich kurz zusammenfassen: Entwickle Produkt und Geschäftsidee iterativ und inkrementell in schnellem Feedback direkt mit echten Kunden zuerst auf Papier, bevor Du es baust.

Wo Lean Startup angewandt werden kann

Die Lean Startup-Methode bezeichnet ein Vorgehen für neue innovative Produkte. Daher kann sie auch außerhalb von Start-ups angewandt werden – überall dort, wo innovative Produkte entstehen sollen. Also explizit nicht nur in Unternehmensgründungen, sondern auch in etablierten Unternehmen. Innovativ meint hier, dass das Geschäftsmodell in irgendeiner Form neu und damit unsicher ist, sei es, um mit einem neuen Produkt einen neuen Markt zu erschließen oder ein neues Produkt in einen existierenden Mark zu bringen.

Die Auffassung des Vorgehens als Experiment – insbesondere das damit eingeschlossene potentielle Scheitern – erfordert eine Unternehmenskultur, die „Fehler machen“ und Scheitern nicht nur zulässt, sondern unterstützt und fördert (s. Vertrauen in Kapitel 3 „Menschenbild, Vertrauen und Motivation“). In Start-ups ist dies in der Regel gegeben, in etablierten Unternehmen eher nicht. Lean Change bedeutet daher für diese auch ein Kulturwandel!

Wie Lean ist Lean Startup?

Jede Tätigkeit, die ohne Wertschöpfung Ressourcen verbraucht, ist Verschwendung.

James P. Womack und Daniel-T. Jones, Lean Thinking

Bei Methoden wie Lean Management und Lean Production geht es um die Vermeidung von Verschwendung (s. Kap. Lean).

Viele Tätigkeiten, wie sie traditionell bei Startups durchgeführt werden, wie die Erstellung von Plänen, Durchführen von Kundenumfragen etc., sind aus Sicht der Philosophie des Lean-Ansatzes Verschwendung, da sie für den Kunden des Produktes keinen Wert darstellen. Ein Kunde will ein Produkt kaufen, ihn interessieren die Pläne etc. für das Produkt nicht!

Es ist ein Verdienst der Lean Startup Methode, eine echte Lean Philosophie in den Bereich der Produktentwicklung gebracht zu haben.

Ries verweist darauf, dass Lean Startup den Prinzipien des Lean Thinking entspricht (s. Tabelle 1). Er entschied sich daher für die Bezeichnung Lean, da es am besten die Vermeidung von Verschwendung ausdrücke. Im Kern gehe es darum, die Aktivitäten zu erhöhen, die Wert bringen und jene, die Verschwendung darstellen, zu eliminieren, sowie eine kurze Durchlaufzeit zu erreichen. Ries ist der Überzeugung, dass Lean Startup zu dramatisch geringeren Entwicklungskosten, schnellerer Time-to-Market und höherer Produktqualität führt [Rie08].

Lean Thinking (s. Kapitel 11 „Lean Management“)

Lean Startup

Mache nur Tätigkeiten, die Wert schaffen!

Plane so wenig wie möglich, baue echte einfache Produkte und teste mit diesen so viel wie möglich an echten Kunden und Nutzern.

Ermächtige die „Leute vor Ort“!

Diejenigen, die die Produkte entwickeln, entwickeln auch das Geschäftsmodell mit allen Konsequenzen.

Reagiere unmittelbar auf Kunden!

Aus den Reaktionen echter Kunden und Nutzer wird direkt gelernt und Produkt und Geschäftsmodell verbessert.

Schneller Durchlauf (Flow) basierend auf Anforderung (Pull)!

Schneller Durchlauf des Lean Startup Cycles durch Ausgangspunkt „Was wollen wir lernen?“ über „Was müssen wir dazu messen?“ zu „Was müssen wir dafür bauen?“ (s.o.)

Tabelle 1: Der Vergleich zeigt, dass Lean Startup den Lean Prinzipien entspricht.

Lean Startup bedeutet Lernen

K12.4_Struktur_Lernen_16
Abbildung 7: Die Struktur von Lernen

Lean Startup stellt vom Prinzip her Lernen dar: Mache eine Aktion, beobachte die Reaktion, denke darüber nach und mach mit einer neuen Aktion weiter (s. Abbildung 7). Eric Ries war dies bewusst, er nannte dies Validated Learning [Wiki].

Der Knackpunkt dabei ist, dass man schnelle Durchläufe des Zyklus erreicht, um schnell zu lernen. Denn dann ist der Ausgangspunkt egal. Dahinter steht das systemische Verständnis, dass das Ergebnis unabhängig vom Ausgangspunkt ist und nur durch das entsteht, was zwischen Ausgangs- und Endpunkt passiert. Man kann es so formulieren: Es ist egal, wo Du beginnst, wenn Du nur schnell genug iterierst. Der Weg bestimmt das Ergebnis.

Kernaussagen des Kapitels

  • Macht Experimente statt Pläne!
  • Geht iterativ und inkrementell vor! (Geht schrittweise und aufeinander aufbauend vor!)
  • Es gibt keine Gewissheit, nur (noch ungeprüfte) Hypothesen!

 

Weiterführende Literatur:

  • Ash Maurya: Running Lean: Iterate from Plan A to a Plan That Works, auch auf Deutsch: Running Lean – Das How-to für erfolgreiche Innovationen
  • Eric Ries: The Lean Startup: How Constant Innovation Creates Radically Successful Businesses, auch auf Deutsch: Lean Startup: Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen
  • Steve Blank: The Startup Owner’s Manual: The Step-By-Step Guide for Building a Great Company, auch auf Deutsch: Das Handbuch für Startups – die deutsche Ausgabe von “The Startup Owner’s Manual
  • Steve Blank: The Four Steps to the Epiphany: Successful Strategies for Products That Win

 

Verwendete Literatur:

Bla13 Blank, Steve: Why the Lean Start-Up Changes Everything. Harvard Business Review, May 2013

Ost04 Osterwalder, Alexander: The Business Model Ontology – A Proposition In A Design Science Approach. PhD thesis University of Lausanne. URL: http://www.hec.unil.ch/aosterwa/PhD/Osterwalder_PhD_BM_Ontology.pdf

Ost10 Osterwalder, Alexander; Pigneur, Yves: Business Model Generation: A Handbook for Visionaries, Game Changers, and Challengers. John Wiley & Sons. 2010

Rie08 Ries, Eric: Lessons Learned: The lean Startup. Blogeintrag vom 08.09.2008, URL http://www.startuplessonslearned.com/2008/09/lean-startup.html

Rie11 Ries, Eric: The Lean Startup: How Constant Innovation Creates Radically Successful Businesses. Portfolio Penguin, 2011.

Rie14 Ries, Eric: Lean Startup: Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen. Redline Verlag. München, 2014

Wiki Validated learning bei Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Validated_learning

Film "Mein wunderbarer Arbeitsplatz"
Buch Kapitel 12: Lean Startup (1/2)

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