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Wie Veränderung gelingt (2/2)

Was aber, wenn sich Reiter und Elefant uneins über den Weg sind? Der Reiter kann einen Machtkampf mit dem Elefanten nicht gewinnen – er ist zu schwach und irgendwann erschöpft [Hea11 S.17]. Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass Selbstkontrolle – also der Versuch der Steuerung durch den Reiter – eine sich erschöpfende Ressource ist. Was wie Faulheit aussieht, kann Erschöpfung sein [Hea11 S.19-23].

Dem Elefanten kann die Motivation fehlen, los zugehen. Zwar kann der sich eine Zeitlang vom Reiter antreiben lassen, aber dies wird nicht von Dauer sein und überdies den Reiter erschöpfen. Werden jedoch die Gefühle angesprochen, ist der Elefant sofort motiviert und läuft los [Hea11 S.23].

Nun ist es nicht nur so, dass der Elefant Schwächen hat, auch der Reiter ist nicht frei davon. Er ist manchmal ein Analytiker, der auf der Stelle tritt und auch nicht weiß, was der richtige Weg ist: Was wie Widerstand aussieht, kann mangelnde Klarheit sein. In einer Studie stellten Forscher fest, dass Menschen sich eher ändern, wenn das neue, von ihnen erwartete Verhalten, klar und deutlich ist [Hea11 S.24].

Nun kann es passieren, das Reiter und Elefant sich einig sind, ein gemeinsames Ziel haben und nun losgehen wollen. Doch dummerweise steht genau vor ihnen eine kilometerbreite unüberwindbar hohe Felswand. Dann werden sie – trotz gemeinsamen Wollens – das Ziel nicht erreichen: Was wie ein Problem der Menschen aussieht, kann ein Situationsproblem sein. Wenn z.B. der Forderung nach besserer Ernährung kein dem entsprechendes Angebot gegenübersteht.

Was wie Faulheit aussieht, kann Erschöpfung sein.

Was wie Widerstand aussieht, kann mangelnde Klarheit sein.

Was wie ein Problem der Menschen aussieht, kann ein Situationsproblem sein.

 Abbildung 1: Der Elefant, sein Reiter und der gemeinsame Weg
Abbildung 1: Der Elefant, sein Reiter und der gemeinsame Weg

Chip und Dan Heath geben folgende Hinweise (Abbildung 1; [Hea11 S.27]):

  • Weisen Sie dem Reiter die Richtung: Was wie Widerstand aussieht, ist oft mangelnde Klarheit. Sorgen Sie daher für kristallklare Anweisungen.
  • Motivieren Sie den Elefanten: Was wie Faulheit aussieht, ist oft Erschöpfung. Der Reiter kann sich nicht sehr lange mit Gewalt durchsetzen. Daher ist es wichtig, dass Sie die emotionale Seite der Menschen ansprechen – bringen Sie den Elefanten auf den richtigen Weg und sorgen Sie dafür, dass er kooperiert.
  • Ebnen Sie den Weg: Was wie ein Problem aussieht, dass den Menschen betrifft, ist oft ein Situationsproblem. Die Situation – einschließlich ihrer Umgebung – ist der Weg. Wenn Sie den Weg aufzeigen, werden Veränderungen wahrscheinlicher, egal, was mit Reiter und Elefant passiert.

Die Autoren Heath betonen, dass dieses Modell kein Allheilmittel darstellt, da es sowohl unvollständig ist, als auch andere an der Veränderung Beteiligte ihre eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen haben. Ihr Modell wird Veränderung nicht unbedingt einfacher, zumindest aber leichter machen: Es ist ein Rahmen, der einfach zu merken und flexibel genug ist, um ihn in verschiedenen Situationen anzuwenden.

In den weiteren Kapiteln ihres Buches gehen Chip und Dan Heath auf Einzelheiten bzgl. ihrer drei o.g. Hinweise ein.

Kernaussagen des Kapitels

  • Das vorgestellte Modell zur Veränderung beschreibt den Menschen bestehend aus

    • einem Elefanten: steht für die emotionale Seite des Menschen und

    • seinem Reiter: steht für die rationale Seite des Menschen,

          und Veränderung als

    • den Weg, den beide gemeinsam zum Ziel zurücklegen müssen.

  • Um das Verhalten zu ändern, müssen Sie also dem Reiter die Richtung weisen, den Elefanten motivieren und den Weg ebnen [Hea11 S.28].

Verwendete Literatur:

Hea11: Heath, Chip; Heath Dan: Switch. Veränderungen wagen und dadurch gewinnen. Scherz Verlag, Frankfurt.

Buch Kapitel 10: Gruppe vs. Experte = 5:0 (1/2)
Artikel im Projekt Magazin "Culture Hacking – Knacken Sie die Unternehmenskultur!"

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