Die zentralen Frage für den Erfolg von agilen Transitionen scheint – wenn wir die bisherigen Ausführungen zusammenfassen – zu sein: “Wer erntet die Früchte der Verbesserung?”. Wenn mit gleich viel Aufwand viel mehr Ergebnis erreicht wird (und das ist ja das Ziel agilen Vorgehens), es sich aber für die nicht lohnt, die das erarbeiten, dann funktioniert das nur so lange, bis sie merken, was gespielt wird.

Eine Argumentation wie “Dein Job wird dadurch sicherer” ist nach den vielen Umstrukturierungsprozessen der letzten 25 Jahre nicht mehr glaubhaft: Die Menschen haben sich angestrengt, trotzdem sind ihre Arbeitsplätze weggefallen oder der Arbeitgeber pleite gegangen. Eine Skepsis neuen Methoden gegenüber ist da nicht zu verdenken.

Ein Kollege (Krishan) formulierte es so: “Das Problem ist, dass Dir der Prozess nicht gehört.” Vermutlich fallen hier Besitz und Eigentum auseinander (vergleichbar einer Mietsache): Ich kann einen Prozess besitzen, ihn optimieren, verbessern etc. Aber er gehört mir nicht, ich bin nicht der Eigentümer. Dem Eigentümer gehört das Prozessergebnis, der Besitzer (in dem Fall ich) erhält von ihm nur eine “Kompensation” für das Erstellen des Ergebnisses. Und wenn diese “Kompensation” immer gleich hoch ist, egal wie effizient und effektiv der Prozess ist, dann lohnt es sich für den Besitzer nicht, sich anzustrengen und ein höheres Ergebnis anzustreben… Solange der Prozess-Besitzer nicht am Mehr-Ergebnis beteiligt ist, werden unsere Anstrengungen nach mehr Agilität ins Leere laufen!

Wir kommen an einer echten Unternehmensbeteiligung offenbar nicht vorbei. Dies scheint der Grund zu sein, warum einige Unternehmen im agilen Umfeld echte Unternehmensbeteiligung für alle Mitarbeiter haben oder sich gleich in eine Genossenschaft umwandelten wie oose. Alternativ – und das Rechnungswesen gäbe dies her – wäre eine Ergebnisrechnung auf Prozess-Ebene mit Ergebnisbeteiligung der einzelnen (Teil-)Prozess-Besitzer.

Hinter der o.g. zentralen Frage versteckt sich die eigentliche Kern-Frage für der Einführung von Agilität, nämlich der Frage nach dem Sinn der Einführung von Agilität: “Wozu führen wir Agilität ein? Und WER hat WAS davon?” So trivial die Frage klingt, so schwierig ist eine plausible Antwort.

 

Zweiter Teil: Der Erfolg von agilen Transitionen (2): Ausweg aus dem Dilemma

Erster Teil: Der Erfolg von agilen Transitionen (1): De-Motivation des Mitarbeiters

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