Bevor es zum “Innenleben” geht, muss noch das Problem bei Modellieren beschrieben werden.

Was meint Modellieren? Wenn jemand etwas perfekt kann und man will das auch können, dann schaut man sich ab, wie das Vorbild (Modell) das macht, was man auch können will. Ein Beispiel: Ein Fußballer kann unhaltbare Elfmeter schießen. Das will ich auch können. Also schaue ich mir genau an, wie er das macht. Wann macht er welche Bewegung? Wo brauche ich noch wie viele Muskeln? Welche Ausrüstung brauche ich? Etc. Ich analysiere das Verhalten – in der Hoffnung, es so lernen zu können. Ich werde das, was ich herausgefunden habe, anwenden, trainieren, üben – und mit der Zeit besser werden. Aber ich werde nie so gut – vielleicht nicht einmal annähernd so gut – wie das Vorbild werden. Der Grund ist das “Problem beim Modellieren”: Wir können nur das Verhalten beobachten, nicht das “Innenleben“!

System_Problem_beim_Modellieren

Das Verhalten wird zu einem großen Teil durch das “Innenleben” gesteuert. Dieses “Innenleben” können wir aber nicht sehen. Selbst wenn wir mit dem Modell ein Gespräch führen und es fragen würden, wie es sein Verhalten “macht”, werden wir wenig erfahren, weil des dem Modell selbst nicht bewusst ist. Zu unserem Beispiel: Wenn wir mit unserem Supertorschützen sprechen und ihn fragen, wie genau er was wann macht, damit das Tor jedes mal unhaltbar ist, werden wir wenig nützliches erfahren, weil es ihm selbst nicht bewusst ist.

Was hat das mit Agilität zu tun? Sehr viel: Agilität ist empirisch entstanden! Es ist beobachtet und beschrieben worden, das erste mal von Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka Anfang 1986 im Harvard Business Review (HBR), s. Beitragsserie. Die beiden Autoren haben beobachtet und analysiert, was erfolgreiche Teams anders machen. Und sie haben mit Menschen in und um diese Teams gesprochen. Sie sind damit dem “Problem des Modellierens” aufgesessen: Sie haben leider weder das “Innenleben” der Menschen in und um diese Teams noch das “Innenleben” der Teams beschrieben. Sie konnten nur das beschreiben, was sie sahen und erfuhren. Damit haben sie rein das Verhalten beschrieben. Und so haben sich die gesamten agilen Methoden, Praktiken etc. entwickelt: wir haben sehr viele Verhaltensbeschreibungen (um agil zu sein, muss man das machen), Beschreibungen von Fähigkeiten und Strategien (um agil zu sein, muss man das so und so machen) und wir haben ein paar Beschreibungen zu Werten (um agil zu sein, muss einem das wichtig sein). Wir haben NICHTS über Glaubenssätze (um agil zu sein, muss man das für wahr halten), Filter (um agil zu sein, muss man auf das achten), Selbstbild (um agil zu sein, muss man das über sich denken) oder Sinn (um agil zu sein, braucht man ein wozu). Uns fehlt das agile “Innenleben“!

 

Bisher erschienene Artikel:

Dilts 2.0

Dilts-Pyramide

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