Es gibt ein schönes Beispiel für Agilität: Sie wollen mit einem Segelschiff in einen fremden Hafen fahren. Wie gehen Sie vor? Planen Sie vor der Fahrt die Reise, messen den Wind, berechnen den Kurs, binden dann das Ruder fest und kontrollieren nach Ablauf der für die Reise berechneten Zeit, ob Sie das Ziel erreicht haben? Wahrscheinlich nicht. Oft wird einfach das Ziel umdefiniert, wir wollen dahin, wo wir raus gekommen sind. Wenn man an seinem Ziel allerdings festhält, wird man während der Fahrt nachsteuern, den Kurs ändern, Wind und Wetter berücksichtigen und nutzen.

Man wird schrittweise vorgehen, sich anhand der örtlichen Gegebenheiten orientieren. Wenn die Karte ungenau oder veraltet war, sich Seezeichen o.ä. geändert haben, wird man vorsichtiger, langsamer fahren, die Schritte kleiner machen.*

Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen**, Abgleich mit der Karte, Beraten mit den Mitseglern, Selbstorganisation beim Lösen verschiedener Aufgaben und Probleme … so erreicht man den Zielhafen. Und falls die Gegebenheiten doch zu widrig sind, wird man — um den Untergang nicht zu riskieren — einen anderen Hafen ansteuern.

* Moderne Kapitäne schauen nur auf das GPS — und dann plötzlich krachts. Jeder, der einen Offset — und seien es nur ein paar Meter — zwischen Karte und GPS erlebt hat, weiß warum. Auch GPS kann ungenau sein, und zwar sogar systematisch. Der Besitzer des GPS-Systems kann die Genauigkeit etc. jederzeit für seine Zwecke ändern. Ein zusätzliches Radar hilft zwar, sieht aber auch nicht alles, insbesondere kleinere und tiefere Dinge nicht, und schon gar nicht, wenn etwas kurz unter der Wasseroberfläche schwimmt… Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen** ist nicht ersetzbar!

** Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen entspricht Gemba, einem Begriff aus Kaizen

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