Nachdem ich nun alt genug bin, um in Jazz-Clubs reingelassen zu werden, entführte mich meine Frau gestern in den Jazzclub Unterfahrt zu Maestro Beckmann und die Münchner Bahnhofskapelle. Meine musikalische Ausbildung beschränkte sich auf Czerny-Etüden und Bach: Vom Stil her ist das tayloristisches Projektmanagement, zumindest wurde mir das so beigebracht: Der Meister hat’s geschrieben und Du musst es noten-genau spielen ohne eigenen Beitrag (im Sinne von Interpretation), Du bist nur die ausführende Hand. Momentan arbeite ich mich an Chopin ab: Das ist schon weniger tayloristisch, hier darf und muss man interpretieren, eigenen Beitrag einbringen.

Und nun Jazz: Ein Thema wird vorgegeben und jeder darf es dann interpretieren. Ziemlich agil: Ein T-Shaped-Team bearbeitet selbstorganisiert ein Thema mit offenem Ergebnis (Sie werden Jazz-Musik zu hören bekommen, das ist klar, wie genau die einzelne Interpretation ausfällt, ist offen und nicht exakt wiederholbar). Jazz ist somit das Ergebnis von Emergenz. Ziemlich verrückt, was man alles entdeckt, wenn man mit der Brille der Agilität unterwegs ist …

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