Gesetz von Conway: Warum ein Tesla doppelt so weit fährt wie andere

Warum fährt eigentlich ein Tesla 500km und alle anderen nur 200km? Wegen Conway’s Law!1!!

Zu dem Thema wollte ich schon länger mal was schreiben (Craig Larman erzählte da mal was am Rande eines Vortrages letzten Winter). Ausgelöst durch diesen Blog-Beitrag “Dank Tesla habe ich endlich verstanden, warum Apple Autos bauen will.” mach’ ich das endlich mal.

Meine Rede ist ja immer, dass “Jeder Chinese, der Elektrotechnik studiert hat, einen Elektromotor ansteuern kann” (im o.g. Blog-Beitrag stellt Martin Oetting das inhaltlich ja so auch dar). Gut – Aber warum fahren dann einige weiter als andere?

Schauen wir uns an, wer Tesla gegründet hat: Elon Musk (“der da Vinci des 21. Jahrhunderts”). Was ist die Kernkompetenz von Elon Musk? Software. (Er hat hat schon als 12jähriger ein Computerspiel entwickelt und an eine Computerzeitschrift verkauft, später ging es locker so weiter.) Daher ist Tesla auch “wie eine Software-Bude” aufgestellt. (Weil 80% eines Tesla-Autos eben Software sind (s.o. Blog-Beitrag). Dann baut man an Hardware eben alles ein, was man mal brauchen könnte und bringt dann per Software-Update zukünftige Funktionen wie Selbstfahren etc. drauf.)

Und hier schlägt Conway’s Law zu: „Organisationen, die Systeme entwerfen, […] sind auf Entwürfe festgelegt, welche die Kommunikationsstrukturen dieser Organisationen abbilden.“

Einfach gesagt: Die innere Struktur des Produktes entspricht der Struktur der Kommunikation des Unternehmens, das das Produkt baut.

Klassische Automobil-Hersteller sind aufgestellt (also organisiert) nach Fahrwerk, Antriebsstrang, Motor und Getriebe, … entsprechend sind ihre Produkte dann strukturiert. Bei komplizierten Produkten funktionierte das (irgendwie), seit das Ganze komplex wird (durch Software), immer weniger (da gibt es ja tolle Geschichten, was wg. Software bei Autos in der Vergangenheit alles nicht oder sehr sonderbar funktionierte). Und wenn nun 80% des Autos Software sind und die Hardware mehr oder weniger Standard (s.o. Blog-Beitrag) … “Houston, ne … München/Stuttgart/Ingolstadt/Wolfsburg … wir haben ein Problem!”

It’s the Software, stupid!1!!

PS: Nachdem ich in der letzten Zeit auch mal wieder auf der Autobahn gefahren bin, habe ich dort ein paar mal Teslas überholt. Die sind so geschätzt 130 gefahren … könnten sicher schneller, wollen aber nicht (wg. Reichweite) …  E-Mobility trägt also auch zur Entschleunigung bei …

 

Nachtrag (einen Gedanken hatte ich noch vergessen): Mit Conway’s Law ist dann auch klar, dass Kommunikationsprobleme und Probleme, die sich auf die Kommunikation in der Organisation auswirken, direkt zu strukturellen Problemen im Produkt führen – auch wenn diese nicht als solche sichtbar werden. Vielleicht wären viele Probleme, die wir in Produkten zu beben versuchen, nachhaltiger gelöst, wenn wir die Probleme der Organisation lösen würden. Auch weil die Probleme dann in zukünftigen Produkten nicht mehr auftreten.

Change Congress 2015: Lost in Change? Wirksame Wandel-Strategien in einer dynamischen Welt
Beyond Agile 2015 - Die Un-Konferenz: 23.10. in München
  1. Martin Oetting left a comment on 21. September 2015 at 15:53

    Noch ein Nachtrag: die Software allein reicht nicht — der gesamte Wagenboden beim Tesla Model S ist ja Batterie, daher ist da viel mehr möglich. Aber diese Konsequenz in der technischen Umsetzung zeigen die anderen halt (bisher) nicht.

  2. Martin Oetting left a comment on 21. September 2015 at 12:00

    Danke für die Superergänzung!

    Mein Bekannter sagte mir, dass sein S 85 durchaus 225 km/h über mehr als 200 km fahren kann. Aber in der Tat: ich erwarte mir durch das Auto auch ein Entschleunigen!

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.