(Dieser Beitrag ist aus meinem neuen Buch leider herausgefallen.)

„Coaches“, die keine sind …

Das Beste, was Kunden passieren kann, ist, dass diese Berater wirkungslos bleiben.
Dann richten Sie wenigstens keinen Schaden an.

Ein großes Problem sind offensichtlich auch jene, die Agilität verkünden und verkaufen. Verkaufstalent und Wissen, was Agilität wirklich bedeutet, schließen sich – so die Beobachtung – offensichtlich wechselseitig aus …

Das, was viele als „agil“ verkaufen oder erzählen, klingt wunderbar – es hat nur nichts mit Agilität zu tun. – Fake Agile!

„Agile Coaches“, die keine sind

Wenn sich jedes Jahr die Anzahl der Agile Coaches verdoppelt, dann hat die Hälfte der Agile Coaches eine Berufserfahrung von einem Jahr.

– Gerrit Beine

Ein grundlegendes Problem ist offensichtlich, dass die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht geschützt ist. Wären viele „agile Coaches“ wirklich Coaches, würde ihnen ihre Unprofessionalität auffallen. Was es offensichtlich nicht tut … Denn dann würde ihnen auffallen, dass sie Berater, Manager, oder was auch immer sind – nur eben keine Coaches. Ein Coach unterstützt den Klienten, er reflektiert [sic!] dem Klienten dessen Tun – nur machen muss der Klient alles selbst.

Und agil sind sie dann auch nicht. Alles, was sie tun, hat oberflächlich vielleicht mit Agilität zu tun, sieht vielleicht oberflächlich agil aus. Doch ist es weder wirklich agil, noch nachhaltig, noch tiefgreifend, noch eigenstabil (Sobald der „agile Coach“ geht, fällt alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen). Den Unterschied zwischen agil machen und agil sein habe ich an anderer Stelle bereits dargestellt [Sch17].

„Man muss Agilität anpassen, damit es dem Kunden nicht weh tut!“

Ohne Schmerz keine Heilung.

– Dr. Reiter (Hausarzt meiner Großmutter)

Die Überschrift ist ein Zitat einer Beraterin – und ein schönes Beispiel für das Tun vieler Berater im Agilen. „Um die Kunden nicht zu überfordern“ – vermutlich eher, um den Auftrag zu bekommen – wird alles, was dem Kunden Schmerzen bereiten könnte, so lange weichgespült, bis es völlig wirkungslos ist:

  • Keine crossfunktionalen Teams
  • Scrum-Artefakte werden verbogen, bis es weh tut: „Wir machen Dailys – zwei mal die Woche.“
  • Keinen Product Owner
  • Scrum Master macht ein Team-Mitglied oder der Product Owner in Teilzeit
  • Backlocks mit über 1000 Einträgen

Kann man machen, ist nicht agil – Fake Agile!


Sch17: Scheller, Torsten: Auf dem Weg zur agilen Organisation. Wie Sie Ihr Unternehmen dynamischer, flexibler und leistungsfähiger gestalten. Vahlen, München, 2017.