Mit Agilen Methoden wird der Taylorismus überwunden
Die Taylor-Wanne [aus Niels Pfläging: Organisation für Komplexität. Ich danke Niels Pfläging für die freundliche Überlassung der Abbildung.]

Ich stoße immer wieder auf Verwunderung und intensivere Reaktionen, wenn ich meine: Mit Agilen Methoden wird der Taylorismus überwunden. Es geht aus meiner Sicht darum, den Taylorismus zu überwinden, da dieser bzgl. der Aufgaben von heute und morgen das Problem und nicht die Lösung ist. Der Taylorismus passt nicht zur Komplexität der heutigen Aufgaben!

In Zeiten vor Taylor (in der Abbildung die Zeit bis 1850/1900) war billige Massenproduktion für große Märkte aufgrund der hohen Transportkosten kein Thema. Daher war die Manufaktur der vorherrschende Organisationstyp: Hier arbeiteten Meister mit ihren Gesellen nach eigenen Methoden und mit selbst hergestellten Werkzeugen. Die Märkte erforderten hohe Flexibilität der konkurrierenden Unternehmen und durch ihre hohe Komplexität war die Manufaktur gut an die lokal begrenzten dynamischen Märkte angepasst.

Durch billige Transportmöglichkeiten konnten zu Taylors Zeiten (ab 1850/1900) große, aber träge Massenmärkte entstehen und bedient werden. Für diese neuen Märkte waren die Manufakturen unnötig komplex und so den neuen Taylor-Strukturen unterlegen. Taylor reduzierte die nicht mehr notwendige Komplexität der Manufaktur so weit, bis sie zu den trägen Massenmärkten passte. Dazu trennte Taylor die Durchführung der Arbeit von der Planung der Arbeit: Der „Wissenschaftler“ erforschte die Arbeitsweisen der Besten (Best Practices) und leitete daraus den optimalen Arbeitsablauf für alle ab. Der Arbeiter führte nur noch – unter der Kontrolle der Manager – die ihm vorgegebenen Schritte aus.

Der Erfolg des Taylorismus ist gleichzeitig der Beginn seines Untergangs: Die Märkte wuchsen in der Breite, bis sie vollständig globalisiert waren und den ihnen maximal zur Verfügung stehenden Raum komplett eingenommen hatten. Dadurch änderten sich aber die Spielregeln, andere Marktmechanismen kamen zum Tragen. Zusätzlich erhöhten die spätestens seit 1980 in Stückzahlen zur Verfügung stehenden Computer sowie neue Telekommunikationstechnologien die globale Vernetzung und dadurch die Komplexität und Dynamik der Märkte dramatisch. Und genau hier liegt unsere Herausforderung heute: Organisationen zu entwickeln, die mindestens der Komplexität und Dynamik des Marktes entsprechen, denn (Ashbys Law):

Um ein System unter Kontrolle zu bringen, benötigt man mindestens so viel Varietät (oder Komplexität), wie das System selbst hat. [Fredmund Malik: Komplexität – was ist das?]

Agile Methoden mögen wie „ein etwas anderes Projektmanagement“ aussehen und oft auch so eingeführt werden. Tatsächlich bedeuten sie aber die Überwindung des über 100-jährigen Taylorismus. Dazu ist ein tiefgreifender und nachhaltiger Wandel notwendig: Es muss Verantwortung wirklich delegiert, Selbstorganisation zugelassen und sinn-voll geführt werden.

Wenn das Thema mehr interessiert, dem sei das Buch “Organisation für Komplexität” von Niels Pfläging (aus dem auch die Abbildung stammt) empfohlen, zum tieferen Einstieg das Buch “Denkwerkzeuge der Höchstleister” von Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer.

Schreibe einen Kommentar