Der erste Artikel über Scrum erschien Anfang 1986 im Harvard Business Review (HBR): “The New New Product Development Game” von Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka. In manchen Agile- und Scrum-Büchern wird auf diesen grundlegenden Artikel verwiesen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass viele ihn leider nicht kennen. Da ich ihn gerade wieder mal lese und für fundamental wichtig halte, möchte ich hier in loser Folge die Ideen daraus vorstellen.

Ich halte den Artikel für grundlegend, weil alle Voraussetzungen für erfolgreiches agiles Arbeiten bereits genannt werden. Zudem macht der Artikel deutlich, dass agiles Vorgehen auf Empirie beruht. Die Vorgehensweise ist intuitiv entstanden, weil Menschen sich frei entfalten konnten. Der “Return” für das “Loslassen” der Mitarbeiter waren Produkte, die nicht nur überraschten und überzeugten, sondern Quantensprünge darstellten.

Unter dem Ansatz, dass neue Produkte ein Drittel des Profits beitragen (1981), fanden Takeuchi und Nonaka Unternehmen aus Japan und den USA, die einen neuen Ansatz zur Produktentwicklung verfolgten. Unter diesen Unternehmen waren Fuji-Xerox, Canon, Honda, NEC, Epson, Brother, 3M, Xerox und Hewlett-Packard. Eingehender untersuchten sie die Entwicklung von 6 Produkten: je einen Kopierer von Fuji-Xerox und Canon, ein Auto von Honda, einen PC von NEC und zwei eine Kameras von Canon. (Die Wurzeln von Scrum liegen also in der Hardware-Entwicklung, nicht in der Software.)

TheNewNewProductDevGame_Bild1

Bild 1 zeigt den Ablauf verschiedener Typen von Entwicklungsprozessen:

  • A: Der sequentielle Typ (die Autoren bezogen sich auf das Phased Program Planning der NASA)
  • B: Den in End- und Anfangsphasen überlappenden Typ
  • C: Den Rugby Typ (wörtlich: “a holistic or ‘rugby’ approach” – das “Rugby”-Vorgehen)

Der Typ B wurde bei Fuji-Xerox und Typ C bei Honda und Canon festgestellt.

Erstaunlich ist, dass die Autoren sich der Tragweite ihrer Entdeckung bewusst waren: “It stimulates new kinds of learning and thinking within the organization at different levels and functions. Just as important, this strategy for product development can act as an agent of change for the larger organization.

(Alle Zitate von Seite 2 und 3 des Artikels)

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