#NoScrumMaster

tl,dr: Wir müssen Teams dazu bringen, OHNE ScrumMaster (#NoScrumMaster) zu funktionieren und sich z.B. auch ohne diesen zu verbessern.

Auf dem pm camp München gab es am Samstag eine Session zum Thema „Retrospektiven“. Da ich diese für das wichtigste Meeting im Agilen halte (denn hier wird bzgl. der Vorgehensweise gelernt und damit verbessert, ausführliche Argumentation siehe mein Buch, auf Wunsch gerne auch mal hier), ging ich hin und war über das sehr große Interesse positiv überrascht. (Denn dies zeigt mir, dass auch anderen die Retrospektive wichtig zu sein scheint. Hier hat sich offensichtlich was gedreht, hörte ich bisher doch sehr oft „Och, die Retro lassen wir weg, die bringt uns nix…“)

In der Session ging es dann um „Was habt Ihr denn schon so mal außergewöhnliches in einer Retro gemacht?“ und es kamen ein paar interessante Spiele/Ideen … (es ging also um das Wie und nicht um das Wozu der Retro, ich denke, wenn das Wozu klar ist, ergibt sich das Wie von alleine …)

Interessant fand ich dabei: Die ScrumMaster klagten darüber, dass sie unter Druck ständen, den Teams in den Retros immer wieder etwas Neues bieten zu müssen, da diese satt seien von den immer gleichen Formaten. Weiterhin beklagten sie, dass die Teams immer bespasst werden wollen …

Das klingt so a bissl nach einer Mutter, die sich beschwert, dass ihre Kinder unselbständig sind und sich nur bedienen lassen …

Eine Frage der Haltung

Meine Haltung als (agiler) Coach ist folgende: Ich will mich so schnell wie möglich überflüssig machen. Ich will erreichen (und das ist gleichzeitig mein Erfolgskriterium), dass das Team dauerhaft vollständig alleine läuft, permanent sich aus sich selbst heraus verbessert und nach außerhalb des Teams die Blockierungen aufzeigt, die es aus eigener Kraft nicht lösen kann. Und dass es seine Probleme selbständig löst. Das ist ein bisschen so wie mit Kindern, da will man ja auch, dass diese erfolgreich ihren eigenen Weg gehen, ihr Leben erfolgreich selbst meistern. (Da steht man dann gerne daneben und freut sich.)

Keine Abhängigkeiten

Und aus dieser Haltung heraus will ich auch, dass (m)eine Teams (also nur die Entwickler) ohne ScrumMaster funktionieren, deshalb #NoScrumMaster. Ich will da keine Abhängigkeit – weder aus Hilflosigkeit oder Faulheit oder sonst was aus den Teams heraus, noch aus Daseinsgründen, Ego-Gründen es ScrumMasters. Wir haben es mit vernünftigen erwachsenen Menschen zu tun, die ihr Leben im Privaten selbständig meistern – dann können sie dies auch auf Arbeit. Es ist eben etwas anderes, ob ich selbst verantwortlich bin und es selbst machen muss, oder ob ich das delegiere(n kann). Das ist bei Kindern ja auch so: Diese müssen ihre Aufgaben selbst machen, um zu lernen, um zu wachsen. Wenn Mama immer alles macht, können nur kaum lebensfähige Menschen entstehen …

Systemisches Phänomen

Ich argumentiere nicht mit der Sichtweise auf den „bösen“ ScrumMaster (oder die „böse“ Mutter). Die systemische Anwesenheit einer Person (ScrumMaster oder Mutter), die Probleme löst, Aufgaben übernimmt etc. führt zu einer systemisch strukturellen Hilflosigkeit. Allein weil jemand da ist, der das übernehmen kann, mache ich das nicht, sondern delegiere es an diesen.

Was #NoScrumMaster heißt und was nicht

#NoScrumMaster soll nicht heißen, Teams aufzusetzen ohne eine ScrumMaster an ihrer Seite. Im Gegenteil: Die Teams brauchen am Anfang eine ScrumMaster exklusiv – Also einen ScrumMaster pro Team. Das Ziel muss halt sein, dass dieser das Team so schnell wie möglich so gut zum laufen bekommt, dass es ihn entbehren kann.  Und dann heißt es “#NoScrumMaster, wir können selbst”.

Mein Beispiel

Aufgefallen ist mir das am Beispiel der Abwesenheit eines supertollen ScrumMasters (der seinem Team vieles abgenommen hat, diesem komplett den Rücken freigehalten hat etc.): Allein dadurch, dass der ScrumMaster seit 4 Wochen nicht da ist (dies ist eine geplante Abwesenheit durch Dienstreisen und Urlaub), kommen die Teammitglieder ins Machen, blühen sie auf. Weil sie müssen. Niemand anders macht es sonst. Die einzelnen Teammitglieder haben verstanden, dass nur sie allein ihre Probleme im Team lösen können. Hier kann ein ScrumMaster oder Coach zwar vermitteln, nur lösen kann er diese nicht, will er nicht dauerhafte Abhängigkeit von sich erzeugen.

Und jetzt fragen mich die Teammitglieder: „Du, sag mal, was macht denn eigentlich unser ScrumMaster, wenn er wieder kommt???“ Ich frage dann „Brauchst Du ihn?“ Antwort „Nein!!!“ Von solchen Problemen hätte ich nie zu träumen gewagt …

Und genau da will ich Teams haben: Selbständig und eigenverantwortlich. Im Tun und im Verbessern. Und genau darum will ich erreichen, dass sie ihre Retrospektiven selbst- und eigenständig durchführen. Deshalb #NoScrumMaster.

Interview zum Buch
Mein Buch "Auf dem Weg zur agilen Organisation" ist da

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