Im zweiten Teil steht die Anwendung und Einordnung der Dilts-Pyramide im Vordergrund.

Klassischerweise wird die Dilts-Pyramide in der Einzelarbeit angewandt: Der Klient wird durch die einzelnen Ebenen geführt und beantwortet dabei die Fragen der jeweiligen Ebene. (Die Antwort muss nicht zwingend ausgesprochen werden, d.h. der Klient kann die Fragen auch nur für sich beantworten.) Um die einzelnen Ebenen sauber getrennt zu halten, hat sich der Einsatz von Bodenankern bewährt: Die Bezeichnungen der einzelnen Ebenen werden auf Moderationskärtchen oder Blätter geschrieben und vom Leiter auf den Boden gelegt, wenn der Klient die Ebenen vor der Befragung zur räumlichen Orientierung abschreitet. Wenn dem Klienten zu seinem Thema alles klar ist, findet er auf allen Ebenen widerspruchsfreie Antworten. Bei Widersprüchen in den Antworten oder wenn sich Konflikte z.B. zwischen Werten zeigen, geht man ins Detail. Ein Konflikt auf einer Ebene kann nach Dilts i.d.R. auf der nächst höheren Ebene gelöst werden, d.h. ein Wertekonflikt ist auf der Ebene Selbstbild/Identität lösbar. Es kann aber auch sein, dass sich z.B. ein Problem im Verhalten zeigt, die Ursache aber einige Ebenen höher beim Sinn liegen.

Ein Beispiel: Ich hatte im Kontext Arbeit auf der Verhaltensebene Probleme. Ich habe dann massiv in die Fähigkeiten investiert: Ausbildung zum Trainer und Coach, MBA, … Die Probleme blieben trotzdem. Bei einer Analyse der Werte stellten sich Wertekonflikte heraus. Erst als ich meine Identität von „Angestellter“ zu „Selbstständiger“ wechselte, lösten sich die Wert-Konflikte und die Probleme auf Verhaltensebene.

Die Dilts-Pyramide kann auch für Teams eingesetzt werden. Dazu können sich die Team-Mitglieder z.B. in einem großen Kreis aufstellen und jeder legt die Kärtchen mit den Ebenen vor sich in Richtung Kreismittelpunkt hin. Die Schritte und Fragen sind die gleichen wie bei der Einzelarbeit und beziehen sich auf ein gemeinsames Thema, z.B. die Einstellung zum Team. Jeder kann seine Antworten als Satz oder Stichpunkte pro Ebene aufschreiben und in die jeweilige Ebene legen. Wenn alle wieder zurück vor ihrer Pyramide stehen, kann im Kreis getauscht werden, z.B. bewegt sich jeder eine Pyramide nach rechts und geht dann die Pyramide seines Kollegen hinauf und wieder herab. Dabei lernt er dessen Antworten kennen und „stapft in seine Spur“. Nun wird weiter gewechselt, bis jeder die Pyramide von jedem durchlaufen hat. Auf diese Weise wird die Welt eines anderen aus dessen Sicht erlebt und so Verständnis für den anderen geschaffen.

 

Bisherige Beiträge:

Temenos, Dilts-Pyramide und Sinn (1): Darstellung der Dilts-Pyramide

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