Agilität und agile Methoden sind keine Erfindung der Moderne, vermutlich haben die Menschen schon immer so gearbeitet, wenn man sie ließ. Und vermutlich werden sie es tun, wenn man sie lässt (s. Selbstorganisation).

“In the past, man was first. In the future, the system will be first.”

Frederick Winslow Taylor

 Spätestens seit der Erfindung des “Scientific Management” durch Frederick Winslow Taylor wurden Organisationen als Maschinen angesehen. Die Menschen waren kleine Zahnrädchen, die eine begrenzte, fest vorgegebene Funktion zu erfüllen hatten. Einige wenige Kopfarbeiter dachten und führten, viele Handarbeiter vollzogen festgelegte Handgriffe. Aufgrund der einfachen Betriebsabläufe, der einfachen Technik und des geringen Ausbildungsstandes der meisten Mitarbeiter war dies sinnvoll und notwendig. Und überdies auch extrem erfolgreich: Dieses Vorgehen bescherte der Welt unermesslichen Reichtum.

Mit dem technischen Fortschritt entwickelte sich die Arbeit weg von der Hand- hin zur Kopfarbeit. Heute sind in hohem Maße Kreativität und Einfallsreichtum gefragt. Da Kopfarbeiter sich nicht wie Handarbeiter verwalten und führen lassen, funktionieren die althergebrachten Methoden von Motivation und Führung nicht mehr.

Zudem haben sich die Zeiten geändert: Die Welt ist komplex geworden! Die Globalisierung erhöht Wettbewerbsdruck und verkürzt Innovationszyklen, Technologie- und Produktlebenszyklen, der Ausbildungsstand der Mitarbeiter ist in weiten Teilen der Welt gleich gut, durch Vernetzung beschleunigen sich Geschäftsprozesse etc.

Dies stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen: Unternehmen sind heute gezwungen, auf diese komplexen Veränderungen immer schneller zu reagieren, ja diese sogar zu gestalten und anzuführen, um ihre Marktposition zu halten und auszubauen. Hier hilft nur agiles Vorgehen!

In Krisensituationen setzte man hin und wieder die Bürokratie außer Kraft und ließ Menschen selbstorganisiert arbeiten, z.B. 1943 bei Lockheed: in 143 Tagen wurde ein komplett neues Kampfflugzeug mit dem damals völlig neuen Strahltriebwerk entwickelt.

Agilität und agile Methoden wurden später in den 1990er Jahren wieder entdeckt und sind heute erfolgreich Standard in IT und Software-Entwicklung. Nun ist es an der Zeit, dem “Rest der Welt” Agilität verfügbar zu machen.

 

Im bisherigen – oft als klassisch bezeichneten – Projektmanagement wird linear vorgegangen. Dabei werden einzelne abgeschlossene Phasen nacheinander durchlaufen: zuerst die Analyse, dann der Entwurf, danach die Umsetzung und anschließend der Test. Dabei wird das Projekt zuerst komplett durchgeplant, alle Einzelheiten definiert, bevor zum nächsten Schritt übergegangen wird. Für viele Einsatzgebiete ist dieses Vorgehen sehr gut geeignet und auch völlig ausreichend.

Probleme treten dann auf, wenn zu Beginn des Projektes nicht alles planbar ist: Weil die (Kunden-)Anforderungen oder Technologien sich erst entwickeln, ein hoher Wettbewerb herrscht und das Projekt schneller erfolgreich abgeschlossen werden muss. Also genau die Situation, die wir heute in vielen Branchen haben, mit Globalisierung und Hyperwettbewerb, gestiegenen und sich schnell ändernden Kundenanforderungen, kürzeren Entwicklungs- und Produktlebenszeiten.

Vor dieser Situation stand die Softwareentwicklung in den 1990er Jahren und daraus einwickelte sich die Agile Softwareentwicklung.

Ähnlich ist die Situation in Organisationen heute: Es werden Projekte gestartet, alle strengen sich an, um nach etlichen Monaten, vielen Meetings und noch mehr Überstunden festzustellen, dass nicht nur das Projektziel verfehlt wurde, Kosten, Termin und Qualität nicht passen, sondern auch, dass die Welt eine (völlig) andere geworden ist.

Welche Lösung gibt es hierfür in Ihrer Organisation? Wie gehen Sie das nächste Projekt in einem solchen Umfeld an? Wir empfehlen, agil vorzugehen.

[learn_more caption=”Was bedeutet agil?”] Agil bedeutet lt. Duden „von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig“. Agil in unserem Kontext meint die Fähigkeit, auf Veränderungen flexibel, adaptiv zu reagieren, auf Änderungen zeitgleich mit deren Entstehen zu reagieren, ja diese sogar (mit) zu gestalten oder vorauszusehen.[/learn_more]

Agil werden bedeutet, in Ihrem Projekt, in Ihrer Abteilung, in Ihrem Unternehmen, die Fähigkeit zu erreichen, bei Änderungen dauerhaft nachhaltig flexibel erfolgreich zu reagieren, um so Ziele zu definieren und diese zu erreichen.

Die Agilen Prinzipien sind die Grundlage für ein agiles Arbeiten. Es gelten hier die Prinzipien der Einfachheit (KISS), der Kundenorientierung, der Zweckmäßigkeit, der Wieder- und Weiterverwendung von bereits Funktionierendem und der gemeinsame Besitz des Geschaffenen. Die verschiedenen Agilen Methoden zielen darauf ab, den Aufwand so gering wie möglich zu halten und dadurch das zu erreichen, was gebraucht wird und nicht das, was irgendwann geplant wurde.

Durch Agile Prozesse konzentriert man sich auf die Leistungserbringung und berücksichtigt gleichzeitig die Bedürfnisse der Mitarbeiter – so wird Verschwendung durch unproduktive Tätigkeiten abgebaut und Motivation gesteigert. Dadurch sind die Prinzipien des Lean Management integriert.

[learn_more caption=”Ein Beispiel für Agilität”]Es gibt ein schönes Beispiel für Agilität: Sie wollen mit einem Segelschiff in einen fremden Hafen fahren. Wie gehen Sie vor? Planen Sie vor der Fahrt die Reise, messen den Wind, berechnen den Kurs, binden dann das Ruder fest und kontrollieren nach Ablauf der für die Reise berechneten Zeit, ob Sie das Ziel erreicht haben? Wahrscheinlich nicht. Oft wird einfach das Ziel umdefiniert, wir wollen dahin, wo wir raus gekommen sind. Wenn man an seinem Ziel allerdings festhält, wird man während der Fahrt nachsteuern, den Kurs ändern, Wind und Wetter berücksichtigen und nutzen.

Man wird schrittweise vorgehen, sich anhand der örtlichen Gegebenheiten orientieren. Wenn die Karte ungenau oder veraltet war, sich Seezeichen o.ä. geändert haben, wird man vorsichtiger, langsamer fahren, die Schritte kleiner machen.*

Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen**, Abgleich mit der Karte, Beraten mit den Mitseglern, Selbstorganisation beim Lösen verschiedener Aufgaben und Probleme … so erreicht man den Zielhafen. Und falls die Gegebenheiten doch zu widrig sind, wird man — um den Untergang nicht zu riskieren — einen anderen Hafen ansteuern.

* Moderne Kapitäne schauen nur auf das GPS — und dann plötzlich krachts. Jeder, der einen Offset — und seien es nur ein paar Meter — zwischen Karte und GPS erlebt hat, weiß warum. Auch GPS kann ungenau sein, und zwar sogar systematisch. Der Besitzer des GPS-Systems kann die Genauigkeit etc. jederzeit für seine Zwecke ändern. Ein zusätzliches Radar hilft zwar, sieht aber auch nicht alles, insbesondere kleinere und tiefere Dinge nicht, und schon gar nicht, wenn etwas kurz unter der Wasseroberfläche schwimmt… Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen** ist nicht ersetzbar!

** Persönliches Vor-Ort-Gehen-und-Sehen entspricht Gemba, einem Begriff aus Kaizen[/learn_more]

“Agility is the ability to balance flexibility and stability.”

Jim Highsmith

[learn_more caption=”Was bedeutet Agilität?”] Agilität bedeutet für eine Organisation die Fähigkeit, auf Veränderungen agil zu reagieren, diese sogar zu antizipieren, sich anzupassen, Chancen wahrzunehmen und damit einen nachhaltigen Erfolg zu sichern. Also nicht nur das Nachsteuern nach einer Veränderung, sondern gleichsam das zeitgleiche Reagieren auf eine Veränderung und sogar das Voraussehen von Veränderungen. Dies erfordert das Erkennen und Abschätzen von Veränderungen, deren Intentionen und Richtungen sowie die Veränderungsgeschwindigkeit, um mögliche weitere Änderungen zu antizipieren.

Mit Agilität wird ein adaptiver evolutionärer Zustand erreicht, der dauerhaft das Überleben in einer sich wandelnden Welt sichert.[/learn_more]

Durch Agilität wird die Anpassungsfähigkeit eines Systems gegenüber Veränderungen in seiner Umwelt erhöht – und zwar als permanent verankerte Fähigkeit. Das System reagiert dann (pro-)aktiv synchron auf diese Veränderungen. System umfasst hier einen breiten Bereich: vom einzelnen Projekt über Projektteams, Abteilungen/Organisationseinheiten bis zu ganzen Organisationen. Umwelt meint hier Kunden, Technologien, Markt, Globalisierung, Demografie etc.

 

“Agility is the ability to both create and respond to change in order to profit in a turbulent business environment.”

Jim Highsmith

 

Bei Business Agility geht es darum, auf Veränderungen in der Unternehmensumwelt schnell und nachhaltig zu reagieren, diese zu gestalten und umzusetzen, z.B. Marktentwicklungen schnell und nachhaltig mit eigenen Innovationen zu kontern oder diese am besten selbst anzuführen. Statt vom Markt getrieben zu werden, selbst zu treiben und sich so Vorsprung und Vorteile zu erarbeiten. Um so ein langfristiges Überleben Ihrer Organisation zu erreichen.

“Business Agility ist die Fähigkeit, ungewissen internen und externen Veränderungen proaktiv oder reaktiv mit dem Ziel zu begegnen, durch erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit Wettbewerbsvorteile zu erlangen. … durch Innovation von Produkten, Prozessen, Organisationen und Systemen”

COINOR AG, jax 2012

 

Es geht also um die Agilität des gesamten Unternehmens.

 

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Selbstorganisation

„A fool with a tool is still a fool.“ – Geht es bei Agilität um Tools?

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