concerns about adopting agile

Schauen wir uns die größten Bedenken gegen Agilität an und was dahinter steht:

Fehlende Vorab-Planung: Hier steht die Erwartung (und Hoffnung) dahinter, dass (vollständige) Planung größtmögliche Sicherheit gibt. Der Akt des Planens gibt uns Sicherheit (d.h. unserem Gehirn, darauf wird bei Gelegenheit noch einzugehen sein). Es mag Umfelder geben, in denen das so zutrifft, in denen das, was geplant wird, auch genau so erreicht wird. Sobald jedoch Vernetzung, Dynamik, Unsicherheit, Komplexität etc. ins Spiel kommen, ist das definitiv nicht der Fall (zur Argumentation → Blogeinträge zu Prof. Kruse). Hier ermöglicht es Agilität trotzdem erfolgreich zu sein. Hinter diesem Einwand mag die Befürchtung stehen, dass die Abwesenheit von Planung automatisch Chaos bedeutet. Planen selbst ergibt keine Sicherheit, Planen ergibt einen Plan. Und dieser macht es uns leichter, zu handeln.

Verlust von Managementkontrolle: Hier steht die Erwartung dahinter, dass, wenn alles kontrolliert wird, nichts Unerwartetes mehr passieren und damit nichts schief gehen kann. Es gibt den Plan, dieser ist umzusetzen und die Umsetzung muss kontrolliert werden. Das Modell des Taylorismus lässt grüßen: Einige wenige denken, planen und kontrollieren und die anderen führen aus. In Kontexten mit einfachen manuellen Tätigkeiten mag das zutreffend und ausreichend sein. In unserer heutigen überwiegend von Wissensarbeitern geprägten Wirtschaft wird dies zum Hemmnis: Einerseits können einzelne nicht mehr den für richtige Entscheidungen notwendigen Überblick über die Themen haben, weil die Themen zu komplex und umfangreich geworden sind, als das ein einzelner alle Facetten überblicken und verstehen könnte. Andererseits sind die Mittarbeiter heute viel zu gut ausgebildet, als dass sie nur ausführen könnten und wollten. Sie haben ihre Einsichten vor Ort, ihre Erfahrungen etc. („Zentrum und Peripherie – Kollaps der Steuerung“ darauf wird auch noch einzugehen sein.)

Managementwiderstand: Wenn die Mitarbeiter weniger direkte Planung, Führung und Kontrolle brauchen, stellt das auch das Bild von Management, insbesondere auch das Selbstbild von Management, in Frage. Zumal agile Methoden wie Scrum explizit behaupten, kein Management mehr zu brauchen. Dies führt zu Unsicherheit, Ängsten etc., die sich in Widerstand ausdrücken. Mittlerweile wissen wir, dass wir auch bei Agilität Management brauchen, nur in einer anderen Rolle, mit anderen Aufgaben. Hier wird es nicht mehr um die kleinteilige Überwachung etc. gehen, sondern um Führung, Setzen der Rahmenbedingungen etc. Aus meiner Sicht wird die Rolle des Managements zukünftig viel interessanter, spannender und herausfordernder werden! Hier gilt es, das Management darauf vorzubereiten.

Fehlende Dokumentation: Dokumentation soll den Weg, den das Projekt/Produkt genommen hat, nachvollziehbar machen und bei auftretenden Fehlern eine Ursachenfindung erleichtern. Häufig wird damit auch die Schuldfrage verknüpft. Für die Fehlerbeseitigung gilt aber – wie Steve de Shazer sagte – “Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist …“. Wenn ein Problem gelöst werden muss, ist es egal, wer für die Ursachen verantwortlich ist, es muss gelöst werden. Zu verstehen, wie es entstanden ist, ist sicher interessant. Dies sagt aber noch nichts über die Lösung aus.

Fehlende Vorhersagbarkeit: Eng an die Vorstellung einer vollständigen Plan- und Steuerbarkeit ist die Erwartung der Vorhersagbarkeit der Ergebnisse verknüpft: Wenn wir vollständig planen, die Umsetzung umfassend kontrollieren und steuern, dann erhalten wir zuverlässig das vorhersagte, geplante Ergebnis. Leider trifft diese kausale Abhängigkeit immer seltener zu, erst recht nicht im Kontext von Vernetzung, Dynamik, Unsicherheit und Komplexität.

 

Agilität ist so völlig anders, als alles, was wir bisher so kannten. Dies verunsichert und verängstigt. Gleichzeitig sehen wir, dass die bisherigen Methoden immer weniger funktionieren. Es ist nur zu menschlich, mehr desselben zu machen (= Lösung 1. Ordnung, „Weiter so mit noch mehr Anstrengung“, noch kleinteiligere Planung und Kontrolle) statt etwas anderes (=Lösung 2. Ordnung) zu machen. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann tue etwas anderes.“ (Paul Watzlawick)

Quelle

 

Bisher erschienene Beiträge:

VersionOne-Umfrage (4): Die Vorteile der agilen Vorgehensweise

VersionOne-Umfrage (3): Warum Agilität?

VersionOne-Umfrage (2): Agile Projekte werden schneller abgeschlossen

VersionOne-Umfrage (1): 7th Annual State of Agile Development Survey von VersionOne

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