Warum #dieselgate ein Glücksfall ist

#dieselgate ist ein Glücksfall für uns alle. Warum? Weil es zeigt, dass Führung und Management heute anders als früher funktionieren.

(Als Grundlage und Voraussetzung mal diese beiden Artikel: VW ist Nordkorea minus Arbeitslager (Zitat der Spiegel) und Angst und Arroganz. Die Aussagen etwas pauschal und plakativ zusammengefasst: VW ist war System von Angst, Schrecken und Kontrolle nach innen und Arroganz nach außen. Ich hatte über VW nichts gutes schon auf dem letzten Wevent gehört, das war vor #dieselgate).

Trennen wir bei dem Ganzen mal Form und Inhalt. Fangen wir mit dem Inhalt an: Als vor 10 Jahren das Thema E-Mobilität mit batteriebetriebenen Autos aufkam, erzählte man uns: “Das brauchen wir nicht! Wir setzen auf Diesel, der ist sauberer als jede Stromerzeugung!” Ah ja, wir wissen jetzt auch warum … (Andere hatten an wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren gearbeitet, das zwischenzeitlich aber aufgegeben. Langfristziel war mal die Brennstoffzelle im Auto, der Hype scheint da durch zu sein, da hört man aktuell nicht viel). Man ist also mit Vollgas und offenen Augen 10 Jahre lang in die falsche Richtung gefahren und nun vor die Wand geknallt. Das was damals nicht nur Insidern schon klar. “Vorsprung durch Technik” machen nun andere

Interessanter ist eigentlich die Form, was der Fall strukturell hinsichtlich Führung/Führungskultur/Unternehmenskultur aufzeigt. Wie der Umgang mit und zwischen hochgebildeten und hochqualifizierten Menschen abläuft (und das ist bei weitem nicht nur bei VW so, ich nenne das das System “Gutshof”: Einer ist der Gutsherr und die anderen seine Knechte). Diese noch aus Zeiten maximaler Einfachheit (Taylor, Ford) mit ungebildeten Mitarbeitern stammenden Führungsmethoden richten nicht mehr nur an den Menschen Schaden an, sondern auch an den Unternehmen (keine Panik, VW ist “too big to fail” und außerdem hängt ja auch der Staat mit drin, da spannen wir einfach ein paar Rettungsschirme auf, das passt dann schon, das ist die Lehre aus der Finanzkrise 2008). Kleinere Unternehmen haben halt Pech …

Die Arbeitswelt hat sich – schleichend, aber mittlerweile doch deutlich wahrnehmbar – gewandelt: Von der Hand- zur Kopfarbeit (s. Buchkapitel Warum heute alles anders ist Teil2 und Wie die maximale Einfachheit erreicht wurde …). Kopfarbeit muss anders motiviert (s. Buchkapitel Wie Motivation gelingt) und geführt werden (s. Sinn nach Frankl). Und genau das wird nun an #dieselgate für alle deutlich sichtbar. Wir werden in der Geschichte später einmal in die Zeit vor und nach dem #dieselgate einteilen.

Wir Menschen lernen nun mal durch Erfahrungen. Und “das System VW” hat eben diese Erfahrung gebraucht. Andere hatten ihre eigenen, s. Siemens mit seinem Bestechungsaffäre. Und nun sind alle aufgeschreckt. Und schauen “Was verstecken wir eigentlich so in unseren Produkten?” Und manches versteckt man unabsichtlich (s. Kommunikationsprobleme in der Organisation).

Die Systemtheorie sagt sinngemäß “was passiert passiert”. Das Geschehen entwickelt sich aus sich selbst heraus (es emergiert) und ist damit weder vorhersehbar noch steuerbar. Nur über Anregungen und Setzen von Rahmenbedingungen kann man versuchen, eine Richtung in der Entwicklung wahrscheinlicher zu machen. Dem entsprechend muss dann auch Veränderung stattfinden: Mit einem systemischem Verfahren aus dem System selbst heraus. Wenn die Veränderung auch im alten Stil mit “Command & Control” erfolgt, dann kann man gleich den Sargmacher bestellen … das kann nicht funktionieren. Im Kontext Komplexität gibt es keine einfachen Lösungen, keine Standardlösungen. Die Problemlösung muss aus dem System selbst kommen – indem das System sich verändert und anpasst. Und zwar immer wieder an seine sich permanent verändernde Umwelt. Diese Erhöhung der Anpassungsfähigkeit kann z.B. mit Lean Change Management erfolgen.

#dieselgate wird dann zum Glücksfall, wenn wir die Lehren daraus ziehen und entsprechend anders handeln.

Lean Enterprise: Interessante Ergänzung zu Lean Change Management (#LeanEnterprise)
Agile Organisation: Jeff Sutherland @Management 3.0-Stammtisch

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